Jun 082017
 

v.l.n.r. Rolf Graefe (Vorsitzender Ausschuss für Wirtschaft, Infrastruktur und Energie), Götz Esser (zukünftiger Weilroder Bürgermeister), Jens Heuser (Vorsitzender Haupt- und Finanzausschuss) WEILROD – Die aktuelle Bertelsmann-Studie zum Breitbandausbau macht deutlich, dass die deutsche Politik in Bund und Land versäumt hat, rechtzeitig in diesen wichtigen Infrastrukturbereich zu investieren. Das sehen die Freien Wähler Weilrod genauso und sehen sich in Ihrer Intention bestätigt, den Glasfaserausbau insbesondere im ländlichen Bereich flächendeckend auszubauen. Bereits zum fünften Mal in Folge war die FWG Weilrod auf dem Breitbandgipfel des Landes Hessen präsent. Es war angekündigt, dass der hessische Staatsminister Tarek Al-Wazir einen Ausblick auf Hessens Weg in die Gigabitgesellschaft geben wird; so sah man mit Spannung dem Gipfel entgegen.

Al-Wazir betonte die Wichtigkeit des Breitbandausbaus und sprach von einer technologischen Revolution im Rahmen der Digitalisierung; Glasfaser und 5G waren für ihn die wesentlichen Schlagworte. Zugleich kündigte er eine Gigabit-Strategie des Landes Hessen an. „Wir kämpfen darum, dass wir in Weilrod flächendeckend den Weg in die Megabit-Kommune gehen, um dann auch zeitnah das Thema Gigabit angehen zu können. Hier sehen wir allerdings noch Luft nach oben bzgl. Kreativität und Initiative insbesondere bei der Fördermittelbeschaffung. Das wird für mich ab 1. Juli Priorität haben“, betont der zukünftige Weilroder Bürgermeister, Götz Esser.

Vertreter des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur sehen insbesondere deren Aufgaben darin, die weißen Flecken in ländlichen Regionen zu unterstützen. Dr. Tobias Miethaner sieht den ländlichen Raum am Scheideweg und fordert einen massiven Glasfaserausbau. Aktuell liegt der Bedarf bei 2 Milliarden Gigabyte, 2025 sieht der Bund den Bedarf bei 11 Milliarden Gigabyte. Diese Datenmenge resultiert primär aus dem sog. „Internet der Dinge“ – hier sind weltweit aktuell ca. 9 Milliarden Geräte vernetzt, 2025 werden es 50 Milliarden sein. „Spannend ist seine Ankündigung, bis Ende 2019 jedes Gewerbegebiet mit Glasfaser ausbauen zu wollen – das Gespräch dazu nehmen wir umgehend auf“, betont Rolf Graefe, der als Vorsitzender des Weilroder Zukunftsausschuss die Themen der Wirtschaft und Infrastruktur repräsentiert.

Die Podiumsdiskussion zum Gipfel setzte sich aus Politik, Verbänden und Wirtschaft zusammen. Die Weilroder FWG-Vertreter mussten in der Gesamtdiskussion feststellen, dass die Akteure im Vergleich zur Weilroder Situation bereits drei Schritte weiter sind. Hier sprach man über 5G, Gigabit und Glasfaser. „Wir müssen derweil noch daran arbeiten, dass wir ein flächendeckendes Mobilfunknetz erhalten und wenigstens Glasfaser in die Verteiler unserer Ortsteile. Das Problem ist die “Rosinen-Pickerei“ – wie auch bei uns im Hochtaunuskreis. Auch wenn es nicht einfach ist, wir bleiben dran, sind aktiv und lassen uns nicht abhängen“, beschreibt Esser die Weilroder Situation.

Unisono als „hochinteressant“ wurde der Vortrag von Dr. Markus Pfuhl reflektiert. Pfuhl, der als Chief Digital Officer bei Viessmann mit Sitz in Allendorf im westlichen Teil Nordhessens, die Herausforderungen vieler KMUs in ländlichen Regionen herausarbeitete, machte deutlich, dass es für die Unternehmen mühselig sei, über Breitband zu diskutieren. Für die Unternehmen sollte die Verfügbarkeit vielmehr selbstverständlich sein. „Man erkannte explizit, dass nicht nur für Unternehmen selbst, sondern auch für deren digitale Produkte, deren Mitarbeiter und insbesondere deren Kunden der Breitbandausbau ohne Alternative ist. Unternehmen wie Viessmann sind hier insbesondere auf die Fläche angewiesen, denn Kunden und Heizungsbauer gilt es unabhängig von Wohnort oder Standort digital anzubinden. Das trifft auf unsere Weilroder Unternehmen 1:1 zu“, beschreibt Jens Heuser die Misere vieler KMUs im ländlichen Bereich.

Heuser zeigt sich auch begeistert von vielerlei Nebenaspekten, die im Rahmen des Breitbandausbaus deutlich wurden. So kann ohne Effizienzgewinne bei der Digitalisierung und entsprechenden Nutzer- und Datenanalysen die Energiewende überhaupt nicht realisiert werden. Die personellen Auswirkungen werden früher oder später ebenfalls deutlich, denn eine komplette Veränderung im „Mindset“ potentieller Bewerber/innen bei den Unternehmen in der Fläche ist deutlich feststellbar („ohne Breitband in meiner Wohnung, kann ich leider nicht kommen“). „Technische Infrastruktur wandert in die Cloud, Video-Telefonie wird Standard in den Unternehmen und im Homeoffice und wir sehen immer deutlicher, dass Breitband kein “nice to have“ ist, sondern wirklich absolute Notwendigkeit. Für uns ist das Daseinsvorsorge“, gibt Graefe zu bedenken.

Die drei Weilroder FWG-Vertreter nahmen vielfältige Informationen und Gedankenanstöße aus einem intensiven Austausch mit verschiedensten Vertretern aus Politik und Wirtschaft mit nach Hause. „Gute Kontakte sind geknüpft und konkrete Termine für weitere Abstimmungen vereinbart. Das ist gut für Weilrod – dafür waren wir in Frankfurt“, so Esser abschließend.

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